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Bewertungen für Disneys Aladdin – London

Dean John-Wilson (Aladdin) und Jade Ewen (Jasmine)

Dean John-Wilson (Aladdin) und Jade Ewen (Jasmine)

  • 10. Oktober 2017

    3 Sterne

    Bei diesem Musical fällt es mir zum ersten Mal schwer, eine Bewertung abzugeben. Zuerst zum positiven Aspekt dieses Musicals. Es fährt mit diversen Spezialeffekten auf und überrascht die Besucher immer wieder erneut. Die Machart erinnerte dabei ein wenig an Cameron Mackintosh's Mary Poppins. Auch beim Bühnen- und Kostümbild wurde an nichts gespart. Beim Bühnenbild überzeugte vor allem Jasmines königlichen Gemächer. Das Kostümbild hingegen vermochte nicht ganz zu überzeugen. Selbstverständlich müssen die Kostüme nicht realitätsgetreu sein und die Vielfalt der Farben ist ein besonderer Blickfang des Stücks. Die diversen Inspirationen für die Umsetzung der einzelnen Kostüme waren mir persönlich jedoch zu weit gegriffen und zu wild zusammen gewürfelt. Ich hätte mir mehr Authentizität in diesem Bereich gewünscht. So werden Einflüsse aus Bollywood, Hinduismus, Brasilianischem Karneval und freizügigen Showkostümen gemischt. Dadurch ging jegliche Authentizität der Figuren verloren und selbst das Funkeln der tausenden Swarovski Steine konnte das nicht wieder wett machen. Ein absoluter Dorn im Auge waren die High Heels der weiblichen Darstellerinnen, welche auch immer wieder Bauchtanzelemente ausführen musste, was mit High Heels einfach nur fürchterlich aussieht. Leider musste auch die Jasmine Darstellerin immer hohe Schuhe tragen, wodurch die sich nicht so frei bewegen konnte, wie das für ihre Figur wünschenswert wäre und ihre Bewegungen wirkten dadurch allgemein sehr unnatürlich. Das einzige Kostüm welches vollkommen überzeugte, war dasjenige vom Dschini. Eine wirklich tolle und wunderschöne Umsetzung einer animierten Figur. Die Mischung diverser Einflüsse wurde (leider) auch bei den Choreografien weitergezogen. Während in den Dschininummern verschiedene Tanzstile absolut passend waren, hätte man bei den restlichen Gruppennummern mit einem Verzicht auf zu viele Einflüsse, die Choreografien sicherlich imposanter gestalten können. In diesem Fall resultierte es jedoch in mittelwertigen Choreografien – nicht schlecht aber auch nicht besonders gut. Eine Stärke des Disneyfilms ist auf jeden Fall die kurze Dauer von neunzig Minuten, während das Musical über zwei Stunden dauert. Dadurch geht das Tempo und der Witz zeitweilig etwas verloren und die neu komponierten Songs können natürlich nicht mit den ikonischen Hits aus dem Film mithalten. Leider wurden die Tierfiguren komplett aus dem Skript gestrichen und stattdessen neue Nebenfiguren eingeführt – welche eher überflüssig wirkten und zu sehr von der Hauptgeschichte wegführten. In Disney's König der Löwen wurden einige Tierfiguren sehr erfolgreich mit Puppets für die Musicaladaption umgesetzt, was ich mir bei Aladdin auch sehr gut vorstellen könnte. Das Musical hätte dadurch noch einen weiteren besonderen Effekt mit dem es begeistern könnte. Auch die Geschichte würde davon sehr profitieren. Das Highlight des Musicals war auf jeden Fall die Rolle des Dschinis, fantastisch besetzt und umgesetzt. Der Dschini haucht dem Stück so viel Leben ein und verkörpert wundervolle Nostalgie, wenn er die allbekannten und geliebten Songs zum Besten gibt. Die Darsteller von Aladdin (Antony Hewitt) und Jasmine (Jade Ewen) vermochten jedoch nicht zu überzeugen. Obwohl gesanglich absolut solide und es nichts an ihrem Talent auszusetzen gibt, gäbe es für diese beiden Rollen passendere Darsteller. Trotzdem muss auch erwähnt werden, dass die Besetzung von Disneyfiguren nie besonders leicht fällt, da diese Figuren so sehr in der Erinnerung verankert sind. Als reines Kindermusical könnte ich diesem Musical wohl volle fünf Sterne geben, da es jedoch auch für Erwachsene konzipiert wurde, muss ich mit der Bewertung etwas nach unten anpassen.